Stahlrelief "Erzengel Michael", Stahlplatten (teilweise erhitzt), Rost, 2012


Kath. Kirche St. Michael, Odenkirchen, 41199 Mönchengladbach


eingeweiht am 30.09.2012





Text von Wolfgang Habrich zur Einweihung 


Ein "Bild" des so genannten Erzengels Michael heute zu entwerfen ist nicht einfach.

Wie können wir sein Wesen zeigen, das nicht von dieser Welt und also auch nicht zu fassen ist?

Wie können wir verdeutlichen, wofür er steht, was er sagen will, angesichts so unklarer Traditionen alttestamentlicher und außerbiblischer Erzählungen und Bilder?

Wie vermeiden wir die Banalität einer Industrie von kitschigen Engelwelten, die den Hinweis- und Botencharakter der biblischen Engel zu verdrängen scheinen?


Die Darstellung des Patrons unserer Kirche von Susanne und Mirko Gersak (2012) geht einen anderen Weg. Ohne dem "himmlischen Wesen" eine personale Gestalt zu geben, greifen sie das alte Erkennungszeichen der Flügel auf, die mächtig (1,45 m hoch) und scharfkantig (wie ein Schwert) den Engel als Wesen zwischen Gott und Mensch, zwischen Himmel und Erde versinnbildlichen. In den Farben des Regenbogens und im Blau des Stahls lassen sie die Freundlichkeit und die Unendlichkeit Gottes aufscheinen. Die Flügel rahmen in der Mitte zuspitzend eine quadratische Stahlplatte ein, die den Wesenskern der Engelsgestalt und das Programm seines (hebräischen) Namens hervortreten läßt: "Mikael - Wer ist wie Gott?"

Das Relief, der Engel stallt die entscheidende Frage und gibt gleichzeitig die Antwort: Der glänzende runde Rahmen der göttlichen Vollendung umschließt eine chemisch bearbeitete Edelstahlplatte, deren angedeutete Feuerzungen auf die Ursituation der Schöpfung hinweisen. Gott, der Ursprung allen Lebens, teilt sich mit und sucht die Nähe der Welt durch seinen Sohn Jesus Christus, dessen Kreuz gleichsam als Stabilisator hinter der auf der Spitze stehenden quadratischen Platte aufgerichtet ist. Die vier Ecken und Seiten sowie die floralen Elemente der Scheibe verweisen auf die Welt, die bunte Schöpfung Gottes.

Nein, wie Gott ist keiner, ist nichts in und auf dieser Welt. Und die Flügel des Engels laden ein, sich in die Mitte des Werkes hineinziehen, sich in Gott hineinnehmen, die Frage des Engels gleichsam von innen, von Gott selbst her beantworten zu lassen.